Im Moment habe ich den Eindruck, dass alle High-Performer potentiell Burnout gefährdet sind. Es zieht sich durch alle Berufsgruppen und macht auch nicht vor Hausfrauen und Kindern halt. Und wenn ich genau hinschaue, bin auch ich potentiell gefährdet.
Und Sie vielleicht auch?!
Denn manchmal können uns auch Dinge, die wir mit Spaß, Leidenschaft und Überzeugung tun, krank machen.
Kennen Sie das:
Wären das Aussagen in einem Bewerbungsgespräch – Sie würden wahrscheinlich einstellen – oder? So zu „ticken“ scheint also angesagt zu sein.
Druck, Tempo, Reizüberflutung und scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten, gehören zu unserer Zeit. Die Frage ist nur, wie gehen wir damit um? Lebe ich bewusst mein Leben oder lebt es mich? Gibt es ein Regulativ, welches mich netterweise bremst und welches ist das?
Mein Regulativ ist mein Körper. Wenn er „spricht“ folge ich. In den letzten Wochen, bin wohl auch ich über „mein Ziel hinausgeschossen“. Mehrere Projekte gleichzeitig, Zeiträume in denen X und Y fertig sein mussten. Erst sonntags, um Mitternacht war alles fertig. Ich auch. Ich dachte: „Ok, morgen Pause!“ Doch mein Körper forderte gleich mehrere Tage…
Da ich meinen Körper, meinen Rhythmus und meine Grenzen sehr gut kenne, weiss ich, wie wichtig Ausgleich und Entspannung für mich sind. Auch ich musste lernen mit meiner Energie zu haushalten und auf meinen Körper zu hören. Dann ist auch mal ein “extra Sprint” drin.
Welches ist Ihr Regulativ und wie hören Sie darauf?
In der Tat – all die oben aufgeführten Aussagen kenne ich – ja ich kann sie förmlich in jeder meiner Zellen fühlen. Sie fühlen sich an wie das „Achtung, fertig …. los“ auf den Startklötzen der Aschebahn…
Und genau darin liegt für mich noch immer die Herausforderung. Denn diese Sätze haben nicht nur ein unglaubliches Tempo, mit dem sie mich antreiben sondern unterstreichen ihre vermeintliche Dringlichkeit auch noch mit einer gefühlt verstärkten Lautstärke.
Im laufe meiner Burn-Out Erfahrung habe ich zwar inzwischen gelernt, daß der Körper das Regulativ ist, um zu einem gesunden und sicher auch effektiveren Rhythmus aus Anspannung und Entspannung, Geschwindigkeit und Langsamkeit zu kommen. Allerdings muß ich mir auch eingestehen, daß ich volle Achtsamkeit brauche, um nicht dem mächtigen Rausch der vermeintlichen Kopf-Power – so wie sie sich in den o.g. Aussagen darstellt – zu verfallen. Denn so drängend und laut die Aktivität ruft, so zart und leise ist die Stimme des Körpers. Als würde er auf einer völlig anderen Frequenz senden, auf deren Empfang ich mich mit viel Achtsamkeit einstimmen muß.
Mein Regulativ entspringt daher derzeit noch meiner Disziplin, regelmäßig für einen Moment inne zu halten, um in meinen Körper zu fühlen. Einen Blick auf meinen Atem zu werfen – bis wohin erreicht die Luft überhaupt meinen Körper? Wie fühlen sich meine Füße auf dem Boden an? Spüre ich den Fluss der Energie in meinem Körper? Wie fühlt es sich an und wo spüre ich sie?
„Das ist doch banal!“ Möchte mir mein Kopf dazwischen schreien. Doch ich fühle, wie mein Körper mir in diesen Momenten dankbar zunickt, denn durch diese kleinen Momente des Innehaltens, stimme ich mich auf seine Frequenz ein und schule mich darauf, seine Sprache zu verstehen.
Ich danke Dir für Deine Offenheit und die genaue Beschreibung. Ich finde Du machst das großartig. Die Kopfstimme zu bändigen ist eine echte Herausforderung.
Mir fällt dazu eine Geschichte ein:
Ein alter Indianer saß mit seinem Enkel am Lagerfeuer.
Nach einer Weile des Schweigens sagte der Alte: „Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend.“ „Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?“, fragte der Junge.
„Der Wolf, den ich füttere“, antwortete der Alte.
Damit will ich nicht die Kopfstimme als grausam… abstempeln – auch sie ist wertvoll. Doch vielleicht ist es wichtig die Körperstimme mehr zu „füttern“…
Und das machst Du echt klasse!